Als
das Wochenblatt im Sommer 1967 das Licht der Welt erblickte, da
war Stuttgart von der Bodenseeregion noch ein gehöriges Stück
entfernt, wenn man das Auto nehmen wollte. Ganze drei Stunden
war man durch zahlreiche Ortsdurchfahrten unterwegs, um in die
Landeshauptstadt zu gelangen.
Die
Planungen für eine »Bodenseeautobahn« waren indes
schon fleißig im Gange. Allererste Vorplanungen und Visionen
wurden schon vor dem zweiten Weltkrieg entworfen, konkret sollte
es jedoch ab 1956 mit einer ersten Vorplanung werden. 1961 forderte
schließlich die Industrie- und Handelskammer dazu auf, endlich
Visionen in die Tat umzusetzen und den westlichen Bodenseeraum
aus dem Verkehrsschatten herauszuholen. Es ging bis ins Jahr 1964
beziehungsweise 1967 , bis der Trassenverlauf endgültig feststand,
der durch eine geschickte Finte des damaligen Singener Oberbürgermeisters
und Landtagsabgeordneten Theopont Diez dem Hegau ein Autobahnkreuz
bescheren sollte, das eigentlich viel weiter nördlich geplant
war und dessen Vollzug schließlich diese Region vor Probleme
stellte, die bis heute noch nicht endgültig gelöst sind,
wenn man die Fortführung der Autobahn über die vergrößerten
Bundesstraßen B 33 neu in Richtung Konstanz und B31 neu
von Überlingen in Richtung Osten betrachtet. Wie lange dieser
Prozess geht, verdeutlicht ein »Jubiläum« ganz
besonders gut: im Jahr 1967 beschloss der Gemeinderat in Konstanz
die Unterstützung des Autobahnbaus im Stadtgebiet. Ein Ergebnis
dieses Beschlusses war die 1980 fertig gestellte Schänzlebrücke,
die fortan als »So Da«-Brücke, weil sie nämlich
ohne jeden Straßenanschluss einfach »so da«
stand und den Seerhein überspannte und nicht nur dem Bund
der Steuerzahler die Zornesröte ins Gesicht trieb. Es dauerte
ganze 40 Jahre, bis im Mai 2007 diese Brücke endlich an die
im Konstanzer Stadtgebiet fertiggestellte B33 (sie wurde in den
70er Jahren noch als A 881 geplant) neu angeschlossen werden konnte
und damit an die neue Zollanlage im Tägermoos, die Wirtschaftsräume
miteinander verbinden sollte. Und noch immer klafft zwischen Allensbach
West und Konstanz eine nicht ausgebaute Lücke dieser so wichtigen
Verkehrsverbindung. Dafür gibt es allerdings, dank des wichtigen
Einsatzes von Regierungspräsident Dr. Sven von Ungern Sternberg
eine fassbare Perspektive, dass dieses Problem in wenigen Jahren
gelöst sein kann.
Doch
der Reihe nach: nach einer sehr aufwändigen Bauphase über
den Hegaublick war die neue Autobahn A81 bereits Ende 1973 im
Landkreis angekommen. Sie führte allerdings erst mal nur
bis nach Engen. Nach sieben weiteren Jahren führte die Autobahn
dann durch das Singener Kreuz bis zur Anschlussstelle Singen und
endete dort erst mal. Singen wurde zu jener Zeit schon durch den
Verkehrsfunk bekannt, denn der durch die Autobahn angezogene Verkehr
staute sich mit schöner Regelmäßigkeit erst mal
unter dem Hohentwiel, bis es in Richtung Bodensee und Schweiz
weiter gehen konnte.Weiter
ging es dann erst mal Schlag auf Schlag: der Bau der Autobahn
A 98 in Richtung Stockach wurde begonnen, im Jahr 1981 begann
auch der Bau der nun B 33 neu getauften vierspurigen Autostraße
nach Radolfzell, die im Mai 1984 eingeweiht werden konnte.
Schließlich
war es 1998 soweit, dass der damals 64 Millionen D-Mark teuere
Hohentwieltunnel eingeweiht werden konnte. Die Autobahn in Richtung
Schweiz endete somit erst mal hinter Singen in Hilzingen. Zwei
Jahre später war es dann soweit, dass auch der Heilsbergunnel,
hier hatte sich die Gemeinde Gottmadingen mit ihrem Wunsch nach
einer der Gemeinde fernen Trasse durchgesetzt, im Jahr 1990 eingeweiht
werden konnte.
Indes
war man in Richtung Osten mit der Einweihung des kurzen Abschnitts
der B33 bis Allensbach West ein Stück weiter gekommen der
im Jahr 1991 eingeweiht werden konnte. Die dreispurig ausgebaute
B31 neu in Richtung Überlingen folgte im Jahr 1995 und auch
diese Straße endet noch immer auf der »grünen
Wiese«.
Der
Kampf um die B33 neu oder damals noch A 881 in Richtung Konstanz
war immens hart und langwierig. Schon beim ersten Versuch der
Planfeststellung im Jahr 1978 hatte es hier über 3.500 Einsprüche
gegeben, deshalb sollte die eben leichter durchzusetzende Schänzlebrücke
in Konstanz so lange ohne Anschluss bleiben. Immer wieder wurde
die Diskussion von neuem begonnen, immer wieder endete sie im
Zwist. Allensbachs Bürgermeister Helmut Kennerknecht könnte
mit seinen Eingaben für die Fortführung dieser wichtigen
Verbindung, die durch den Ausweichverkehr auch seine Gemeinde
stark belastete, ganze Bände füllen. Der Streit zwischen
der seenahen und seefernen Trasse schien in die Endlosigkeit zu
geraten. Letztendlich bedurfte es hier eines Moderators, der diesen
fast gordischen Knoten zu lösen vermochte. Regierungspräsident
Dr. Sven von Ungern-Sternberg wurde dafür vom damaligen Ministerpräsidenten
Teufel für diesen Job beauftragt und kann nun zum Ende seiner
Amtszeit (siehe nebenstehenden Kasten) die Früchte seiner
engagierten Arbeit ernten. Ende 2004 konnte er die Pläne
für eine seenahe Variante der B33 neu, die von zahlreichen
Tunnelbauten begleitet wird und deshalb rund 135 Millionen Euro
auf 10 Kilometern Länge kosten wird, den betroffenen Gemeinden
Allensbach und Reichenau vorlegen. Die Planfeststellung ist inzwischen
vollzogen und Anfang Mai dieses Jahres wurde bekannt gegeben,
dass der Straßenbau ab Konstanz Flughafen in den Investitionsrahmenplan
des Bundes für die Jahre 2006 bis 2010 aufgenommen wurde.
Eine lange Geschichte. Vor 40 Jahren, wie gesagt, fiel der Entscheid
für die Schänzlebrücke in Konstanz im Gemeinderat.
Oliver
Fiedler
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