Verlegerin
Carmen Frese-Kroll und Verlagsleiter Peter Peschka zum 40. Geburtstag
des WOCHENBLATT
Der Sommer 1967 war ein guter Sommer für Singen und die Region:
im Zuge des Sommerschlussverkaufs erblickte das WOCHENBLATT, damals
noch als »Anzeiger« das Licht der Welt, doch Verleger
Hans Joachim Frese hatte die Vision einer kostenlosen Zeitung
für die ganze Region.
Das war vor 40 Jahren. Und heute ist es nicht mehr wegzudenken,
das Wochenblatt als die meistgelesene lokale Zeitung zwischen
Tengen und Hohenfels, zwischen Öhningen und Aach mit den
Städten Singen, Radolfzell und Stockach in ihrer Mitte. Daran
erinnern sich auch die Tochter von Hans-Joachim Frese und heutige
Verlegerin, Carmen Frese-Kroll wie Verlagsleiter Peter Peschka,
der seit 21 Jahren im WOCHENBLATT dabei ist.
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Frage: Frau Frese-Kroll, Ihr Vater Hans-Joachim
Frese hat vor 40 Jahren das Singener Wochenblatt gegründet
und für diese Region Pionierarbeit geleistet. Wie wichtig
war damals dieses neue Medium für die
Region?
Carmen Frese-Kroll: Es gab damals zwei Tageszeitungen
in der Region, mein Vater startete das erste Anzeigenblatt. Darüber
freuten sich viele Menschen, denn es gab eine Zeitung für
jeden Haushalt, die von
Anfang an auch auf die Information durch eine engagierte Redaktion
setzte. Bisher musste man sich dafür ein Abonnement leisten.
So wie sich das Wochenblatt in diesen 40 Jahren entwickelt hat,
wird deutlich, dass die damalige Entscheidung genau die richtige
war.
Frage: Eine der großen Stärken war
wie gesagt in den Anfangsjahren, dass das Wochenblatt jeden Haushalt
erreichen sollte. Grundlage war die Erkenntnis, dass eine Tageszeitung
längst nicht mehr jeden Haushalt erreicht. Kann man das als
unternehmerische Weitsicht sehen?
Carmen Frese-Kroll: Das war es auf jeden Fall.
Informationen über alles Mögliche gibt es zuhauf in
den verschiedenen Medien. Hier wird jedoch über das direkte
Umfeld der Leser informiert, das, was vor der eigenen Haustüre
stattfindet - und das als für den Leser kostenlose Zeitung.
Unsere Leser vertreten inzwischen sogar den Standpunkt, dass sie
ein Recht darauf haben, diese Zeitung mit ihren Angeboten
und Berichten wöchentlich zugestellt zu bekommen.
Peter Peschka: Wenn die Leser bei uns im Vertrieb
mit Vehemenz protestieren, weil sie das Wochenblatt einmal nicht
erhalten haben oder es noch nicht bekommen, weil sie dort neu
zugezogen sind, ist das für uns mehr als ein Kompliment,
es unterstreicht, wie notwendig dieses Medium für die Region
ist.
Frage: Das Wochenblatt war das erste Anzeigenblatt
und eine der ersten Zeitungen überhaupt, die auf Leserbefragungen
setzten, um die Reichweite der Zeitung für die Werbepartner
zu dokumentieren. Was haben die ersten Ergebnisse damals ausgesagt
und was haben diese Umfragen für das Wochenblatt bedeutet?
Carmen Frese-Kroll: Mein Vater hat von Anfang
an Wert darauf gelegt, zu überprüfen, dass die Zeitung
möglichst jeden Haushalt erreicht. Daraus resultiert, dass
er auch bundesweit der Vorreiter mit Leseranalysen war, die er
schon Ende der 70er Jahre für das Singener Wochenblatt durchführte.
Er wollte wissen, wie kommt das Medium beim Leser und beim Kunden
an.
Peter Peschka: Schon die erste Leseranalyse kam
zu dem Ergebnis, dass das WOCHENBLATT die Nummer eins im Bereich
Print in seinem Verbreitungsgebiet war. Durch diese Analyse wussten
auch andere Medien in der Region, wo sie stehen. Die nun folgende
Leseranalyse ergabe einen Wert von zwischen 72 und 74 Prozent
(Aktuell sind es 73,4 Prozent) bei »Lesern pro Ausgabe«
was bundesweit ein Spitzenplatz bei Anzeigenblättern ist.
Eine Delle in den 90er Jahren wurde durch das Internet verursacht,
doch diese Leser sind längst wieder beim WOCHENBLATT gelandet.
Die Leser heben in den Befragungen immer wieder darauf ab, dass
sie durch das WOCHENBLATT mit Redaktion und Anzeigen sehr gut
informiert werden.
Frage: Wäre das Wochenblatt damalsnicht
gegründet worden, wie sähe heute die Medienlandschaft
in der Region aus. Wie hätte sich die Gesellschaft entwickelt?
Carmen Frese-Kroll: Es wäre sicher über
kurz oder lang ein Anzeigenblatt auf den Markt gekommen. Die Frage
ist, ob es ähnlich wie in vielen Nachbarregionen nur der
Ableger einer Tageszeitung gewesen wäre oder eben ein bis
heute unabhängiges Medium wie das Wochenblatt. Eine der großen
Stärken von meinem Vater war ja auch, dass er, um Märkte
für sein Medium zu entwickeln, viele Aktionen für diese
Region durchführte und im Prinzip der erste regionale Wirtschaftsförderer
hier war. Das hätte ein anderes Anzeigenblatt sicher nicht
auf die Beine gestellt. Es wäre für diese Region sicher
schlimm, wenn es nur ein Printmedium gäbe. Das sieht man
in anderen Gegenden, wo das leider so ist.
Frage: Was ist ihr zentrales Anliegen für
die Zukunft?
Carmen Frese-Kroll: Es wäre sehr schön,
wenn die Leser das WOCHENBLATT nicht nur passiv nutzen, sondern
sich auch aktiv in die Zeitung einbringen würden. Den Mut
dazu würde ich mir wünschen. Zum Beispiel bei aktuellen
Themen wie der Schulpolitik, wo es gut wäre, wenn Menschen
ihre Standpunkte hier stärker einbrächten. Wir haben
das Medium, das Standpunkte publik machen kann, um damit eine
öffentliche Diskussion zu beleben. In diesen Austausch sollte
eine Zeitung der Zukunft gehen.
Peter Peschka: Wir kommen aus der totalen Lokalität und das
ist und bleibt die große Chance der lokalen Wochenzeitungen.
Gut gemachte Redaktion ist unsere Zukunft.
Das Interview führte Oliver Fiedler
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