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* Mittwoch, den 31. Dezember 2008

Rückblick: 70 Jahre und nicht theatermüde

Peter Simon inszeniert in der "Färbe" au

Singen (swb). Offiziell ist Peter Simon seit zwei Jahren im Ruhestand. Am Heiligen Abend feierte er seinen 70. Geburtstag. Das ist für ihn kein Grund, seine wohlverdiente Rente zu genießen. Drei Stücke hat er in diesem Jahr wieder inszeniert. Und auch für die Silvester-Premiere sitzt er wieder am Bühnenrand: Manfred Beierl hat seine Stimme komplett verloren. Simon leiht sie ihm gerne. An seinen Händen hat sich Farbe festgetrocknet: Simon hat gerade beim Bühnenbau kräftig mitgemacht. Theatermüde ist er keineswegs. 30 Jahre mit der "Färbe" überstanden zu haben, scheint ihm neue Kraft zu geben. Mit 70 abgeben? Da nennt er im WOCHENBLATT-Interview andere Pläne.
Frage:Die eine Nachricht des Jahres ist: Die "Färbe" besteht 30 Jahre, die andere ist, sie ist finanziell für die nächsten 30 Jahre gerettet. Zufrieden?
Peter Simon:Ja, wegen der Akzeptanz durch die Parteien bin ich jetzt froh, daß meine Arbeit gewürdigt wird und deshalb die Erhöhung mit Stil und ohne Geschrei über die Bühne ging. Die Situation war schon höchstgefährlich und brisant, wenn man eben die "Färbe" wirklich für Singen in der Zukunft erhalten will. Und ich bin weiter überzeugt, dass ein solches kleines Privattheater das richtige für eine Stadt wie Singen ist.
Frage:Jetzt sind Sie ja offiziell im Ruhestand, haben dieses Jahr dreimal inszeniert. Welche Rolle wird Peter Simon künftig hier haben?
Peter Simon:Ich fühle mich recht gut. Und da ist es gut, wenn der Übergang fließend ist. Ich werde mitinszenieren, meiner Frau Milly, Cornelia Hentschel und Frau Steiner bei der Arbeit helfen. Es ist immer schwierig, Regisseure an Land zu ziehen, vor allem hier deshalb, weil er hier alles machen muß. Andere Häuser haben Bühnenbildner, Beleuchter und einiges mehr.
Frage: Mit dem mehr Geld seitens der Stadt Singen (100 000 Euro mehr) können nun auch mehr Schauspieler wieder engagiert werden . . .
Peter Simon:Das werden nicht mehr sein, als es in der Vergangenheit waren. Wir nähern uns jetzt dem Stand von 1992 (Anmerkung: Der letzten Zuschußerhöhung). Und da ist jetzt etwas Druck herausgenommen. Wir sind immer noch eines der ärmsten Theater Baden-Württembergs.
Frage: Jetzt sollten ja nach der alten Konzeption das Restaurant und die Ballettschule das Theater quersubventionieren. Das klappt aber so nicht mehr. Was muss da passieren?
Peter Simon: Das weiß ich auch nicht. Wir hatten ja mit der Basilika die Absicht, eine zweite Spielstätte zu etablieren. Es ist aber immer noch so, dass das Theater eine Stammkneipe verhindert, weil sich diese durch Theater, Proben und Bühnenbau auf Montag und Dienstag reduziert. Immer wieder müssen gastronomische Termine (Hochzeiten) wegen des Theaters abgesagt oder garnicht erst angenommen werden, obwohl wir dafür einen glänzenden Raum und eine glänzende Köchin mit Frau Gottlieb haben. Das ist aber seit 30 Jahren so: Große Sprünge können wir nicht machen.
Frage: Und mit der Ballettschule?
Peter Simon:In früheren Zeiten hatten wir die doppelten Schülerzahlen, die Milly allein unterrichtet hat. Das kann sie so heute nicht mehr - und auch die Nachfrage hat sich erheblich geändert. Leider.
Frage:Aber das Theater ist ja trotz der Stadthalle weiter stark gefragt?
Peter Simon:Wir haben es schon gemerkt, aber wir sind zufrieden. Konstanz bietet ja auch eine Menge auf vielen Spielstätten an. Die machen da richtig ein Faß auf. Unsere Frequenz wird sich in der Zukunft aber noch bessern. Der Unterschied ist eben, dass das war in Singen in der Stadthalle läuft auch in Sindelfingen, Villingen oder Friedrichshafen zu sehen ist.
Frage:Nochmals zu Milly van Lit, die als "Färbe"-Geschäftsführerin Ihre Nachfolge angetreten hat . . .
Peter Simon:Die Milly hat ja dieses Theater mitbegründet und durch die Ballettschule einen großen Einfluß auf die Erhaltung des Theaters gehabt. Nicht nur, weil wir Co-Produktionen gemacht haben. Sie war nicht nur künstlerisch im Theater mit tätig und hat finanziell dieses durch die Ballettschule gestützt. Somit ist es nur logisch, dass sie das Theater in meinem Sinne weiterführt. Zudem hat sich niemand für eine solche Aufgabe so schnell finden lassen, der die Verantwortung für alle drei Bereiche übernimmt.
Die Fragen stellte Hans Paul Lichtwald

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