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Mittwoch, den 31. Dezember 2008
Bundeszuschuß adelt Radolfzeller Wasserturm-Projek Erstes Passiv-Hochhaus in Radolfzell
Radolfzel (li). Am 22. Oktober 2008 kam die Botschaft aus Berlin: Das Bundesumweltministerium wird das ehrgeizige Radolfzeller Wasserturm-Projekt mit 435 000 Euro fördern. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel verkündete, damit werde das erste Null-Energiehochhaus gefördert. Der alte Wasserturm solle nach gewohntem Passiv-Haus-Standard so umgebaut werden, dass es gewerblich genutzt werden kann. Gabriel wörtlich: "Das Vorhaben zeigt, wie wir das Potenzial alter Gebäude für eine bessere Energieeffizienz nutzen können. Ich wünsche mir viele Nachahmer." Die Nachricht kam in Böhringen bei Jürgen Räffle und seinen Söhnen natürlich gut an. Über hundert Seiten Antragsunterlagen hatten sie zusammengestellt gehabt und lange gewartet. Bundestagsabgeordneter Andreas Jung hatte sich für das Projekt eingesetzt, das nicht nur energetisch ein Modell ist. Der jetzige Wasserturm ist 30 Meter hoch, er wird künftig 37 Meter hoch sein und dann kommt noch ein zweigeschossiges Restaurant darauf. Von dort aus erschließt sich nach den Plänen das ganze Hegau-Panorama. Für Radolfzell würde das Gebäude ein Alleinstellungsmerkmal sein, weiß man auch im Rathaus: Milchwerk, Kletterturm, Seemax und Wasserturm bildeten ein Ensemble, wegen dem es sich allein schon lohne, nach Radolfzell zu fahren. Auch Regierungspräsident Julian Würtenberger war bei seinem Antrittsbesuch in Radolfzell vom Projekt begeistert: Diesen Restaurant-Ausblick wolle er gerne genießen. 13 Stockwerke soll der künftige Wasserturm haben, die alle über einen externen Aufzug erreichbar sind. Pro Firma gäbe es dann 38 bis 45 Quadratmeter Nutzfläche im Turm. Das wäre dann eine Top-Adresse für Firmen mit nur geringem Flächenbedarf. Die Quadratmetermiete würde zwischen 13 und 14 Euro liegen. Bereits 1992 hatte Jürgen Räffle den Wasserturm für 25 000 Euro der Stadt abgekauft, allerdings ohne das Grundstück, das bei der Gemeinde verbleibt. Seither sind Vorarbeiten erbracht worden, Bohrungen sind erfolgt. Bei Letzteren liegt das eigentliche Geheimnis des Projekts, die Nutzung unterschiedlicher Temperaturen im Boden. Zwei Brunnen liegen parallel in 30 Metern Abstand. Einmal geht es 60 Meter tief in eine Kiesschicht, einmal zehn Meter tief in sandigen Untergrund. In 60 Metern Tiefe hat das Wasser 12,5 bis 13 Grad. Tüftler Norman Räffle, der gerade sein Architekturstudium abschließt, entzieht dies Wasser dem Boden, entnimmt ihm über eine Wärmepumpe drei Grad und führt dann das Wasser auf der anderen Seite wieder zurück. Die für die Pumpen und andere Geräte nötige Energie wird durch eine Photovoltaik-Anlage, eine solarthermische Anlage sowie eine kleine Windkraftanlage auf dem Dach erbracht. Ergebnis: Ein absolutes Passivhaus, das 36 Tonnen CO2 jährlich einspart.
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